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Neue Studie vorgelegt

Die Analyse von Baumrinde zeigt die Belastung
der Luft durch Pestizide auf


Menschen können Pestizide wie Glyphosat über Nahrung, Wasser und die Luft aufnehmen. In mehreren Studien stellten Forscher eine breite Belastung der Bevölkerung mit Glyphosat fest, u. a. in Urin- und Blutproben. Im Jahr 2015 unterstützte basic als Partner der Kampagne „Ackergifte? Nein danke!“ die Urinale-Studie, die weltweit größte Datensammlung zur Glyphosatbelastung der Bevölkerung.

Allerdings liegen bisher für Deutschland kaum Daten vor, wie stark sich welche Ackergifte über die Luft ausbreiten. basic hat deshalb eine Untersuchung in Auftrag gegeben, um abschätzen zu können, welche Pestizide ein hohes Verbreitungspotential haben. Die Ergebnisse zeigen, dass dies auf rund ein Dutzend von über 500 geprüften Wirkstoffen zutrifft.

Eine einfache und aussagekräftige Methode: Baumrinde analysieren

Die äußere Rinde von Bäumen – die Borke – eignet sich besonders gut für die Messung von Pestiziden in der Luft, da sie über längere Zeit Schadstoffen ausgesetzt ist und diese wie ein Aktivkohlefilter sammelt. Durch die Analyse von Baumrinde lässt sich die Luftbelastung mit Pestiziden rückblickend über mehrere Monate bis Jahre erfassen – mit nur einer Probe.

Die Analyse von Umweltschadstoffen mittels Rinde bietet zahlreiche Vorteile: Zum einen lässt sich damit eine sehr umfangreiche Anzahl an Schadstoffen nachweisen. Zum anderen kann sie zeiteffizient und räumlich flexibel durchgeführt werden, praktisch überall dort, wo geeignete Bäume vorkommen. Langwierige Luftmessungen sind nicht notwendig. Wissenschaftler entwickelten die Methode des Rindenmonitorings in den 1990er Jahren für eine standarisierte Anwendung des Verfahrens weiter; seither wurde sie mehrfach erfolgreich angewandt.

500 Pestizide untersucht – darunter auch Glyphosat

Aufbauend auf Studien, die in den Jahren 2014 und 2016 an 18 Standorten in Brandenburg durchgeführt wurden, analysierte ein Gutachter ergänzend für die aktuelle Studie Proben an sechs Standorten: 5 in Bayern und 1 in Brandenburg. Dabei wurde erstmalig auch Glyphosat aufgenommen. An fünf Orten in Bayern wurden jeweils in einem rund ein Quadratkilometer großen Gebiet die Rinden mehrerer Bäume zu einer Probe vereinigt, um Punktbelastungen, etwa von einem einzelnen Feld, auszuschließen. In Brandenburg stammte die Probe aus einem Gebiet nahe eines Feldes, von dem bekannt war, dass dort Glyphosat eingesetzt wurde.

Ein Dutzend Wirkstoffe fällt auf

Während die meisten der über 500 analysierten Wirkstoffe unauffällig waren, bestätigte die Studie das hohe weiträumige Verbreitungspotenzial von einem Dutzend Pestiziden, darunter Pendimethalin, Prosulfocarb und auch Glyphosat. Auch fanden sich mit DDT und Lindan zwei Spritzgifte in den Rinden, die seit Jahrzehnten nicht mehr eingesetzt werden. Dies zeigt, dass schwer abbaubare Wirkstoffe noch lange nach einem Verbot die Umwelt belasten.

Besonders auffällig sowohl bei der Häufigkeit der Belastung als auch bei deren Höhe waren Pendimethalin und Prosulfocarb. Von diesen beiden Ackergiften ist bekannt, dass sie leicht flüchtig sind und mit dem Wind über weite Strecken in unbelastete Gebiete verfrachtet werden können. Bei einigen anderen, häufig eingesetzten Wirkstoffen ist das aufgezeigte Verbreitungspotential bisher nicht bekannt. Hier wären weitere Untersuchungen dringend erforderlich.

Auch Glyphosat bleibt nicht auf dem Acker

Das gilt auch für Glyphosat. Das vermutlich krebserregende Pestizid wurde in zwei von sechs Proben nachgewiesen. Das deutet darauf hin, dass dieses Spritzgift vom Anwendungsort abgetragen wird und damit einen benachbarten Bio-Anbau beeinträchtigen bzw. unmöglich machen kann. Eine weiterreichende Verbreitung über mehrere Kilometer lässt sich in der Untersuchung nicht erkennen. Allerdings ergaben systematische Untersuchungen in den USA relativ hohe Konzentrationen von Glyphosat in Luft- und Regenwasserproben. Die daran beteiligten Wissenschaftler fanden heraus, dass sich das Gift an Bodenpartikel bindet, die vom Wind verweht werden. Unsere Studie kommt zu dem Schluss, dass „eine Verbreitung über die Luft als ein möglicher Expositionspfad von Glyphosat im Hinblick auf eine allgemeine Belastung der Bevölkerung nicht plausibel ausgeschlossen werden“ kann. Genau dies haben die deutschen und europäischen Behörden jedoch getan. In ihrer Bewertung von Glyphosat wurde eine Verbreitung über die Luft unter EU-Verhältnissen negiert und als nicht relevant bewertet.

Jetzt sind Behörden und Politik am Zug

Unsere Studie war als Pilotprojekt angelegt, sie ist keine bundesweite Untersuchung. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass eine solche flächendeckende, repräsentative Bestandsaufnahme dringend notwendig wäre, wofür basic sich einsetzen will. Glyphosat und andere in der Studie auffällige Pestizide sollten Bestandteil der regulären Immissionsüberwachung in Deutschland werden.

Die Koexistenz von Bio-Anbau und konventionellem Anbau ist eine legitime Forderung und muss auch in Deutschland dauerhaft gewährleistet sein. Dazu ist es von entscheidender Bedeutung, dass leicht flüchtige Pestizide wie Pendimethalin, die sich auffällig in der Umwelt verbreiten, in ihrer Anwendung erheblich zurückgeführt werden. Als Partner der Kampagne „Ackergifte? Nein danke!“ werden wir von basic uns weiterhin dafür einsetzen, dass der Bio-Anbau in Deutschland und der EU auch für künftige Generationen möglich ist und sich die Pestizide, die das verhindern, vom Acker machen!

Für weitere Informationen zum Thema Glyphosat besuchen Sie auch:
Gemeinsam für eine saubere Landwirtschaft

 

 

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