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Allergien und Unverträglichkeiten

Intoleranz, Pseudo- oder Echte Allergie?

Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten haben viele Facetten. Nicht immer ist, wie bei einer Echten Allergie, das Immunsystem schuld daran, wenn wir bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen. Doch das Wort „Allergie“ hat sich in unserer Sprache so manifestiert, dass ca. 20-40 % der deutschen Bevölkerung davon ausgehen, sie seien „allergisch“, wenn ihnen ihr Essen nicht bekommt.

Dabei sind Echte Allergien auf Lebensmittel relativ selten – nur 2-3 % aller Erwachsenen und 4-6 % der Kinder sind davon betroffen. Um Lebensmittelunverträglichkeiten erfolgreich behandeln zu können, ist es wichtig, die Ursache für die Reaktionen des Körpers genau zu untersuchen: „Spinnt das Immunsystem“, wie Ernährungsmediziner heute salopp die echte allergische Reaktion im Körper umschreiben, oder liegt die Problematik direkt im Darm bzw. in der Darmwand – wie das bei einer Laktose- und Fruktoseunverträglichkeit und auch bei der Zöliakie, der Unverträglichkeit von Gluten, der Fall ist? Welche Probleme haben Pseudoallergiker? Sind sie nur „eingebildete Kranke“ oder haben auch sie echte allergische Symptome? Welches Kreuz müssen Kreuzallergiker tragen? Die Reaktionen unseres Körpers auf unsere Lebensmittel sind sehr vielschichtig und nur dann, wenn wir wissen, warum wir bestimmte Lebensmittel nicht vertragen, können wir mit dieser Unverträglichkeit besser umgehen. So hat beispielsweise eine Echte Allergie auf Kuhmilch nichts mit einer Laktoseintoleranz zu tun, was auch erklärt, warum eine laktosefreie Milch einem echten Milchallergiker nicht hilft. 

* Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG), Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB)

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Bei einer Echten Allergie reagiert das Immunsystem auf natürliche und harmlose Bestandteile in Lebensmitteln mit einer Abwehrreaktion: Es erkennt „normale Nahrungsbausteine“ (v.a. Proteine) fälschlicherweise als Krankheitserreger (= Allergene) und bekämpft sie in der allergischen Reaktion. Ähnlich wie bei einem Magen-Darm-Virus, der uns tatsächlich krank macht und der dieser immunologischen Reaktion bedarf, um ihn unschädlich zu machen. Ein Teil der „Waffen“ unseres Immunsystems – die sogenannten Antikörper – sind bei echten Allergikern im Blut als IgE-Antikörper nachweisbar. Auch ein Pricktest auf der Haut veranschaulicht deutlich die Abwehrreaktionen auf spezifische Lebensmittelproteine. Die Hautreaktionen beim Pricktest werden u.a. durch Histamin ausgelöst, ein körpereigener Botenstoff, der in einer Art „Waffenlager des Immunsystems“, den sogenannten „Mastzellen“, gespeichert ist. Bei der Echten Allergie motivieren die Antikörper die Mastzellen dazu, Histamin freizusetzen und damit die typischen allergischen Symptome wie Hautreaktionen, Fließschnupfen, Juckreiz, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Nesselfieber bis hin zum allergischen Schock zu bewirken. Allergiker müssen Lebensmittel, die ihr Immunsystem nicht toleriert, strikt meiden. Denn allergische Reaktionen sind weitgehend dosisunabhängig, d.h. bereits kleinste Mengen können ausreichen, um Reaktionen auszulösen. Die derzeit einzige medizinisch anerkannte Therapie ist die Hyposensibilisierung, bei der das Immunsystem schrittweise mit dem Allergen konfrontiert wird, um dadurch eine steigende Toleranz zu erreichen.

Eine Kreuzallergie ist eine echte allergische Reaktion, die über den Umweg der Pollenallergie abläuft – deshalb spricht man auch von einer pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie. Knapp 60 % aller Pollenallergiker entwickeln eine Kreuzallergie auf Nahrungsmittel. Dabei kann es Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis sich diese manifestiert. Schubfaktoren wie Stress, Sport, Alkohol, Medikamente und der Hormonstatus beeinflussen zusätzlich die Entstehung einer Kreuzallergie. Birkenpollenallergiker reagieren dann beispielsweise nicht mehr nur auf Birkenpollen allergisch, sondern z.B. auch auf Äpfel, Hasel- und Walnüsse, Soja und Sellerie. Die primäre Allergie auf die Birkenpollen bleibt dabei stets erhalten. Zusätzlich erkennt das Immunsystem bei der Kreuzallergie plötzlich Ähnlichkeiten in der Allergenstruktur von Birkenpollen und Äpfeln, so dass der Birkenpollenallergiker auch auf Äpfel allergisch reagiert – sehr häufig mit einem „oralen Allergiesyndrom“ – mit Halsjucken, Lippenkribbeln und Schwellungen im Halsbereich. Die Ursache für solche Kreuzreaktionen sind identische oder sehr ähnliche Eiweißbausteine (Allergenstrukturen) in den Pollen und in den entsprechenden Nahrungsmitteln, obwohl diese botanisch nicht verwandt sind. Bei einer Hyposensibilisierung gegen Pollenallergene besteht die Chance, dass auch die Kreuzreaktion auf Nahrungsmittel zurückgeht.

Etwa 90 % aller Lebensmittelunverträglichkeiten werden durch diese 14 Lebensmittel verursacht. Sie müssen laut der Europäischen Richtlinie zur Allergenkennzeichnung immer auf dem Etikett gekennzeichnet sein – auch, wenn nur kleinste Mengen davon als Zutat verwendet wurden. Lediglich bei Kräutern und Gewürzmischungen, Konfitüren, Kakao- und Schokoladenerzeugnissen, Fruchtsäften und -nektaren sowie bei Jodsalz müssen die Bestandteile nicht einzeln aufgelistet werden, wenn ihr Anteil im Lebensmittel weniger als zwei Prozent beträgt.

• glutenhaltiges Getreide
• Krebstiere
• Eier (Allergie besteht meistens nur auf das Hühnereiweiß)
• Fisch
• Erdnüsse
• Soja
• Milch – einschließlich Laktose
• Schalenfrüchte: Mandeln, Hasel-, Wal-, Cashew-, Pecan-, Para-, Macadamia-, Queenslandnüsse, Pistazien
• Sellerie
• Senf
• Sesamsamen
• Schwefeldioxid und Sulfite
• Süßlupinen
• Mollusken (Weichtiere, Schnecken)

Pseudoallergiker sind keinesfalls „eingebildete Kranke“, sondern haben die gleichen Symptome wie „echte Allergiker“. Eine Pseudoallergie unterscheidet sich von einer Echten Allergie also nicht in der Symptomatik, sondern in der Ursache. Während beim echten Allergiker die Antikörper des Immunsystems die Mastzellen zur Histaminausschüttung anregen, spielen die Antikörper bei der Pseudoallergie keine Rolle. Das Immunsystem bildet also keine IgE-Antikörper gegen Nahrungsmittelproteine. Im Gegensatz zur Allergie sind pseudoallergische Reaktionen stark dosisabhängig und weisen eine hohe Spontanheilungsrate auf. Auslöser für Pseudoallergien sind nicht nur künstliche Zusatzstoffe in Lebensmitteln, sondern vielmehr natürliche Bestandteile wie Aromastoffe, Acetylsalicylsäure, die z.B. in Beerenobst enthalten ist, sowie biogene Amine wie das Histamin.

Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand wird die Zöliakie als eine chronische Erkrankung des Dünndarms betrachtet, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten bzw. der Unterfraktion Gliadin (in Getreide) beruht. Gluten kommt in Weizen, Dinkel, Gerste, Roggen, Hafer, Grünkern, Kamut, Emmer und Einkorn vor. Die regelmäßige Zufuhr von Gluten führt bei Menschen mit Zöliakie zu einer Entzündung in der Darmschleimhaut, so dass diese stark degeneriert und nicht mehr in der Lage ist, ihre natürliche Funktion – die Aufnahme (Absorption) von Nährstoffen – auszuüben. Die Nahrung wird nicht mehr optimal verdaut und verwertet. Im Laufe der Erkrankung entstehen Nährstoffdefizite, die eine Reihe von Beschwerden auslösen. Heilbar ist die Zöliakie bislang nicht. Betroffene müssen ihr Leben lang auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten, damit sich die Darmschleimhaut regeneriert. Mit einer glutenfreien Diät lassen sich die Symptome in den Griff bekommen.

Pseudoallergische Reaktionen auf Lebensmittel, die Histamin enthalten, z.B. gereifter Käse, Geräuchertes, Wein, Fisch und Fischkonserven, Tomaten, Paprika und Sauerkraut, sind sehr häufig. Sie werden als eine Ursache für das Krankheitsbild der Histaminunverträglichkeit diskutiert. Als weiterer Auslöser wird ein Enzymdefekt im Dünndarm vermutet, bei dem das Enzym Diaminooxidase (DAO) nicht in ausreichendem Maße produziert wird, um Histamin optimal zu verstoffwechseln. Auch Lebensmittel, die eine körpereigene Histaminausschüttung provozieren, kommen als Auslöser in Betracht. Hierzu zählen Erdbeeren und Zitrusfrüchte, Tomaten, Gluten aus Mehl und Casein aus Milchprodukten, Kakao und Schokolade. Zusätzlich scheinen körperlicher und psychischer Stress sowie Infektionen und bestimmte Medikamente die Entstehung der Histaminunverträglichkeit zu beeinflussen. Klassische Symptome sind plötzliche Hautrötungen (Flush) und Juckreiz. Auch Übelkeit und/oder Erbrechen und Durchfall sowie Bauchschmerzen werden beobachtet. Ernährungswissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass es individuell sehr unterschiedliche Empfindlichkeiten auf Histamin gibt und dass eine optimale Therapie primär einen gesunden Verdauungstrakt zum Ziel hat. Ist dieses Ziel erreicht, wird auch Histamin in der Regel besser toleriert.

Die Laktoseintoleranz ist die am häufigsten vorkommende Unverträglichkeitsreaktion. Sie wird durch einen irreversiblen Enzymmangel in unserem Darm ausgelöst. Die Dünndarmschleimhaut kann das Enzym Laktase, das für den Abbau der Laktose (Milchzucker) verantwortlich ist, nicht in ausreichender Menge produzieren – mit verheerenden Konsequenzen für die Betroffenen: Die Laktose aus der Milch gelangt ungespalten (als Zweifachzucker) in den Dickdarm. Dort bauen sie die Bakterien aus unserer natürlichen Dickdarmflora zu kurzkettigen Fettsäuren, Kohlendioxid und Wasserstoff ab: Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen sind die Folgen. Wer unter einem irreversiblen Laktasemangel leidet, profitiert von laktosefreien Produkten, die unter 0,1 g Laktose pro 100 g enthalten. Auch bei lange gereiften Käsesorten ist das der Fall.

Sie ist eine reversible Absorptionsstörung in der Darmwand des Dünndarms und wird auch als Fruktosemalabsorption bezeichnet. Dabei kann die Fruktose, der Fruchtzucker, nicht mehr optimal absorbiert, also durch die Darmwand ins Blut aufgenommen werden. Fruktose gelangt in den Dickdarm und wird, wie die Laktose, von Bakterien abgebaut. Das Beschwerdebild ähnelt der Laktoseintoleranz. Zwei Ursachen werden derzeit diskutiert: Zum einen scheint das Überangebot an Fruktose in unserer modernen, relativ süßen Ernährung eine Rolle zu spielen. Zum anderen konnte nachgewiesen werden, dass Zuckeralkohole wie Sorbit, Xylit, Isomalt & Co., die als Zuckeraustauschstoffe in zuckerfreien Produkten Verwendung finden, den Fruktose-Transport durch die Darmwand blockieren. Wird der Fruktosekonsum über Säfte, Getränke, Obst, Trockenfrüchte, Marmeladen, Honig etc. sowie der Verzehr von Zuckeralkoholen drastisch reduziert, erholt sich der Darm und ist wieder funktionstüchtig.